Liebe Leserinnen und Leser,

Samstag, 14.00 Uhr. Meine Kirchenälteste und Chefredakteurin dieses Gemeindebriefes ruft an: „Frau Hegmann, ich warte noch auf Ihre Andacht für den neuen Gemeindebrief! Gestern war Redaktionsschluss.“ Mist. Eigentlich wollte ich noch einen Bericht für die Kreissynode schreiben und war gerade gedanklich bei Kooperationsräumen, Kategorisierung der Kirchen, Pfarrstellenbudgets und anderem mehr Jedenfalls nicht beim Gemeindebrief. In der Pfarrerdienstbesprechung wird der doch vorbesprochen, hätte mir da nicht mal jemand…?! Oder habe ich etwas vergessen? Ich grummle vor mich hin. „Sie wussten noch gar nichts von ihrem Glück?“, dringt die amüsierte Stimme der Chefredakteurin an mein Ohr, „Für Ostern habe ich noch nichts!“ Ach. Das kann natürlich so nicht bleiben.

Ostern – aufbrechen und neu anfangen.
Von der Trauer zur Hoffnung. Vom Tod zum Leben. Ich wechsle erst einmal vom Grummeln zu freundlicher Gelassenheit. Eine Andacht für den Gemeindebrief wird ja wohl noch möglich sein.
Ein Bibelwort fällt mir ein, das auch Teil eines Predigttextes für Karfreitag ist, 2. Kor 5, 17: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Tod und Auferstehung Jesu machen alles neu. Nicht für Leid und Tod hat Gott uns erschaffen, sondern für ein erfülltes Leben in seiner Nähe. Und das gilt allen Menschen, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Bei Gott zählen nicht Herkunft, soziale Stellung oder die finanziellen Verhältnisse, sondern der gemeinsame Glaube an Jesus Christus und die Liebe. Das eröffnet neue Sichtweisen. Als Gottes Kreatur, als sein Geschöpf leben, bedeutet, mit Blick auf das Reich Gottes leben und nicht nur das zu sehen, was im Hier und Jetzt vor Augen liegt.
Allerdings kann ich dieses Neue nicht selber schaffen. Ich kann es auch nicht fordern. Ich kann aber hineintreten in den weiten Raum, den diese Worte öffnen. So wie jeder Gottesdienst und jedes Gebet oder jedes Lesen in der Bibel ein Hineintreten in diesen Raum ist. Ich kann mich bergen in diesen Raum, wenn mir die Räume des Alltags zu eng werden oder ich ins Grummeln verfalle oder wenn ich meine, auch als neue Kreatur so gar nichts Schöpferisches mehr in mir zu haben. Das Wunderbare daran ist, dass so die große Perspektive des Reiches Gottes wieder aufscheinen kann und mich anders in den Alltag zurückkehren lässt. Sicherlich nicht runderneuert; wir leben ja auch noch nicht im Reich Gottes. Aber doch mit neuer Hoffnung und mit neuem Mut und – hoffentlich – mit einem wacheren Blick.
Ostern – aufbrechen und neu anfangen. Das haben wir nötig, glaube ich. Statt Mut und Zuversicht sehe ich um mich herum auch viel Angst: Vor Fremden, vor instabilen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen, Angst um die eigene Existenz, vor allem im Alter, und um die Zukunft der Kinder. Für vieles gibt es keine schnellen Lösungen oder gar einfache Rezepte. Das ist ja auch eine Seite der Angst und zunehmend ein Problem unserer Zeit, nach griffigen Lösungen und dem starken Mann zu rufen, der die Dinge mal eben schnell regelt.
Vielleicht ist das Neue an denen in Christus die Beharrlichkeit, mit denen sie solchen Entwicklungen widerstehen. Ich mache einfach weiter mit der Nächstenliebe, die mir in der Nachfolge Jesu aufgetragen ist. Und ich vertrete freundlich – unaufdringlich durch mein Reden und Handeln das, von dem ich lebe. Und manchmal bin ich dabei auch lauter oder ein bisschen stur.
Das ist auch ein Gottesgeschenk: Sich gegen allen Augenschein als Gottes Kreatur sehen. Nicht der Angst oder der Gleichgültigkeit anheimfallen. Beharrlich bleiben. Unübersichtliche Entwicklungen aushalten und dabei auf den vertrauen, der diese Welt und uns in Händen hält. Mit Zuversicht leben als Gottes geliebte Geschöpfe, die er leitet und durch Veränderungen führt.

Ostern – aufbrechen und neu anfangen. Weil einer uns vorausgegangen ist durch den Tod ins Leben!

Es grüßt Sie herzlich
Ihre Dekanin Petra Hegmann

Die nächsten Termine

3. Advent
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3. Advent
Sonntag, 16. 12, 17:45
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Sonntag, 23. 12, 09:30
4. Advent
Sonntag, 23. 12, 10:30

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