Liebe Leserinnen und Leser!

Es ist Samstag, der vierte Tag unserer Kinderbibelwoche. Heute erwartet uns ein Ausflug nach Medebach zum längsten Spielplatz Europas. Als ich in den Bus einsteige, sagt ein kleines Mädchen zu mir: „Guck mal, die Schuhe habe ich extra für den Ausflug bekommen!“ Ich bewundere die Schuhe gebührend. Sie sind auch wirklich sehr hübsch. Mit Glitzer und einem bunten Bild an der Seite. „Und weißt du noch was?“, sagt die Kleine zu mir und zieht mich dabei am Ärmel. „Ich freue mich so auf den Ausflug, dass ich ein bisschen weinen muss!“ 

Im ersten Moment bin ich total perplex. Tatsächlich, das Mädchen hat Tränen in den Augen. Hat es vielleicht Heimweh und muss deshalb weinen? Vorsichtig frage ich nach. Aber die Kleine schüttelt den Kopf und wiederholt noch einmal mit kräftiger Stimme: „Ich muss weinen, weil ich mich so auf den Ausflug freue!“
Ein starker Satz, der mir noch lange nachgegangen ist. Ich meine, ich bin durchaus auch dazu in der Lage, mich zu freuen. Zum Beispiel habe ich mich total gefreut, als vor kurzem eine Studienfreundin zu Besuch kam. Wir hatten das Treffen schon lange geplant und dann ausgerechnet den Abend erwischt, an dem eine Sternschnuppe nach der anderen vom Himmel fiel. Ich habe mich gefreut, als wir im Sommerurlaub mit dem Campingbus an so herrlichen Orten in Schweden gelandet sind. Und ich habe mich gefreut, als bei der Kinderbibelwoche 30 Kinder um die Kirche herum hüpften – alle auf der Suche nach Jonas Rucksack, den ich mit Süßigkeiten gefüllt und versteckt hatte. Solche Momente machen mich fröhlich. Aber nicht so fröhlich, dass in mir die Freudentränen aufsteigen.
Ich frage mich: Wieso eigentlich nicht? Denn wert wären es diese Situationen doch eigentlich alle gewesen.
Mir kommt eine Vermutung: Liegt es vielleicht daran, dass bei uns Erwachsenen selbst in den schönsten Augenblicken meistens noch viele andere Gedanken im Hintergrund mit ablaufen? Zum Beispiel: „Ist ja toll der Besuch - aber eigentlich hätte ich in dieser Zeit dringend mal den Papierstapel im Büro erledigen müssen.“ „Ist das schön hier - aber leider ist der Urlaub bald schon wieder vorbei und dann geht es zurück nach Hause.“ Oder: „Ich könnte den Kindern stundenlang zusehen, wie sie da auf der Kirchenwiese spielen und toben – aber haben wir eigentlich schon alles Material für die nächste Bastelaktion bereit gelegt?“
So werden die Freudentränen erstickt, noch bevor wir sie überhaupt spüren können. Und manch einer schluckt sie vielleicht auch bewusst herunter, weil er nicht als Gefühlsdusel vor den anderen dastehen will.

„Ich freue mich so auf den Ausflug, dass ich ein bisschen weinen muss!“ Je länger ich über diesen Satz nachdenke, desto mehr merke ich: Das würde ich auch gerne können – mich so tief berühren lassen und schöne Momente so intensiv erleben. Ob man das trainieren kann?
Ich weiß es nicht. Aber mir fällt ein, dass wir in den nächsten Wochen wieder Erntedank in unseren Gemeinden feiern. Und ich finde, das ist die Gelegenheit, wenigstens mal wieder darüber nachzudenken, wann ich in der letzten Zeit Grund zur Freude hatte, wo Gott mich fröhlich gemacht hat. Denn beim Erntedankfest geht es nicht nur um das, was Gott für uns hat wachsen lassen – Obst, Gemüse und Getreide – sondern es geht um alles, was er uns geschenkt hat. Das können wir in Gedanken mit in die Gottesdienste bringen und ebenfalls auf den Altar legen.
Und ich stelle mir vor, wie Gott sich dann seinerseits darüber freut. Denn schließlich macht es mich ja auch fröhlich, wenn ich etwas verschenkt habe und merke: Dem anderen gefällt es.

Herzliche Grüße
und eine gesegnete Herbstzeit
Ihre Pfarrerin Emilie Weinreich

Die nächsten Termine

3. Advent
Sonntag, 16. 12, 10:30
3. Advent
Sonntag, 16. 12, 17:45
4. Advent
Sonntag, 23. 12, 09:30
4. Advent
Sonntag, 23. 12, 10:30

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