Liebe Leserinnen und Leser!

den Sänger und Songwriter Johannes Oerding höre ich sehr gerne. Er hat eine ehrliche Stimme, mit der er viel von seinen Liedinhalten vermittelt. In diesen Tagen habe ich ein neues Lied von ihm gehört. Es heißt: „Unter einen Hut“, ein nachdenkliches und durchaus selbstkritisches Lied. Johannes Oerding singt darin:

„Hier kommt der sichere Zweifler.
Der gefangene Freigeist,
der rotiert und dann untertaucht.

Hier kommt der mutige Feigling.
Der zu laut schweigt und zu leise schreit.

Das erwachsene Kind,
das irgendwie immer 14 bleibt.

Der Typ, der gern austeilt, aber dann
dem Echo lieber ausweicht. 

Mal schwarz und mal weiß,
hart oder weich,
erst ja und dann nein.

Und du fragst, wie man das zusammen kriegt?
So schwierig ist das eigentlich nicht:
Denn unter einen Hut passen Kanten und Kreise….
Unter einen Hut passen Wahrheit und Unsinn,
Stärken und Wunden, Hymnen und Blues. …“

Diese Zeilen fassen das Kopfschütteln über die Widersprüche, die es in uns gibt, in treffende Worte. Ja, es gibt da vieles in unserem Leben, was eigentlich nicht zusammenpasst:
Mal sind wir stolz über Erfolge und mal ganz unzufrieden mit uns; mal deprimiert, mal zuversichtlich; mal liebevoll zu unseren Nächsten, mal genervt von ihren Eigenarten; mal suchen wir die Wärme der Gemeinschaft, mal sind wir froh, uns zurückziehen zu können und mit niemandem reden zu müssen; mal sind wir freundlich zu unseren Mitmenschen, aber nach einem Konflikt können uns manche Leute dann auch getrost den „Buckel runter rutschen“; an einem Tag treffen wir mit Überzeugung eine Entscheidung und am nächsten Tag scheint sie uns schon wieder fraglich; mal sagen wir Kluges und gut Durchdachtes, mal sind unsere Worte ziemlich dämlich; mal beglücken wir andere mit lieben Worten oder einem Geschenk, mal enttäuschen wir; mal sind wir sanft und liebevoll, mal ruppig und harsch.
Und so fragen auch wir uns, so wie es Johannes Oerding tut, wie das eigentlich zusammenpasst? Es ist uns ein Rätsel, wie all dies eigentlich Unvereinbare zu ein- und derselben Person gehören kann. Johannes Oerding sagt, so schwierig sei die Antwort darauf nicht: „Denn unter einen Hut passen Kanten und Kreise. Unter einen Hut passen Wahrheit und Unsinn, Stärken und Wunden, Hymnen und Blues“.

Das ist schön gesagt, aber nicht ganz so leicht zu leben: denn die Eigenarten, die wir an uns nicht mögen, verstecken wir ja gerne. Die Jahreslosung für das neue Jahr greift einen anderen zu uns gehörenden Widerspruch auf: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24) Da hatte ein Vater seinen kranken Sohn zu Jesus gebracht, damit er ihn heilt. Jesus sagte ihm: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“. Daraufhin antwortet der Vater: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Auch dieses Schwanken kennen wir gut: Mal ruhen wir in unserem Glauben und am nächsten Tag haben sich gewichtige Zweifel breit gemacht. Mal vertrauen wir Gott, mal ist dieses Vertrauen angefochten.

Der Vater in der biblischen Geschichte hatte anerkannt, dass in ihm beides spannungsvoll nebeneinander lebt: Glaube und Unglaube. Dieses ehrliche Anerkennen hat etwas Entlastendes:
Wir müssen keine Glaubenshelden sein, damit Gott uns liebt. Dass dieser Vater seinen Unglauben ehrlich zugab, hat ihm Jesus nicht krumm genommen: Sein Sohn wurde geheilt. Auch Glaube und Unglaube gehört also „unter unseren Hut“.

Wobei die Jahreslosung ja noch einen Schritt über das Zugeben des eigenen Unglaubens hinausgeht: In den Worten „Herr, hilf meinen Unglauben“ wird der Unglaube anerkannt, aber nicht zementiert. Der, der diese Worte spricht, ist nicht rundum zufrieden mit seinem Unglauben, sondern bittet Gott um Hilfe, dass ER seinen Unglauben überwinde.
Mit der Jahreslosung, als Bitte ausgesprochen, zeigen wir uns also offen, Gott auf neue Weise erfahren zu können. Und das ist ganz sicher eine gute Bitte.

Ihr Pfarrer Christoph Holland-Letz

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