Liebe Leserinnen und Leser!

 

Ostern ist vorbei. Und was nun? 

Grübelnd sitzen die Jünger da und unterhalten sich. Noch immer können sie nicht wirklich begreifen, was sie in den vergangenen Tagen alles erlebt haben. Jesus ist gestorben und auferstanden. Ein Auf und Ab der Gefühle. Wie soll man das bloß einem erzählen, der es nicht selbst miterlebt hat?

Jetzt muss es irgendwie weitergehen. Aber wie? Wie macht man weiter nach solchen Tagen? 

Da hat einer eine Idee: „Lasst uns doch einfach da weitermachen, wo wir aufgehört haben.“ Das klingt gut, finden alle. Das klingt vertraut. Das klingt machbar.

Und so gehen einige von ihnen zurück zum See Tiberias. Dorthin, wo alles begonnen hat. Wo Jesus eines Tages plötzlich vor ihnen gestanden und gesagt hat: „Von heute an sollt ihr Menschenfischer sein.“ 

Sie reparieren die Boote, flicken die Netze und fahren hinaus. Es geht gut. Gelernt ist eben gelernt. Und die frische Luft da draußen ist wie Balsam auf ihre aufgewühlten Seelen.

Irgendwann bricht der Morgen herein. Doch die Männer haben noch immer keinen einzigen Fisch gefangen. Früher hätten sie damit vielleicht umgehen können. Hätten sich auf die nächste Nacht vertröstet. Aber wenn die Nerven sowieso schon blank liegen. „Was für eine Katastrophe!“, ruft einer. „Jesus ist weg und in das alte Leben können wir anscheinend auch nicht wieder zurück.“

Da sehen sie auf einmal einen Mann am Ufer stehen. Sie haben keine Ahnung, wer er ist. Vielleicht ein Neuer unter den Fischern hier? Er spricht sie freundlich an: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Kinder? So hat sie schon lange niemand mehr genannt. Darf der das? Ja, das darf er. Weil es so mitfühlend, so liebevoll, so zugewandt klingt. „Fahrt noch einmal hinaus und werft die Netze auf der anderen Seite aus,“ fordert der Fremde sie auf. Und es ist, als würde er ihnen direkt ins Herz sprechen. Den Jüngern bleiben keine Fragen, keine Zweifel. Sie machen einfach, was er ihnen sagt. Wenige Minuten später sind die Netze voll.

Da gehen einem von ihnen die Augen auf. „Es ist der Herr!“, ruft er. Schnell fahren sie an Land zurück. Da hat Jesus für sie schon ein Kohlenfeuer bereitet und Fisch darauf gebraten. Dazu gibt es frisches Brot. Es duftet köstlich. Nach Zuhause und nach Liebe und nach Geborgenheit. Die Männer setzen sich und essen. Stärkung für die Wege, die vor ihnen liegen. (Joh 21,1-14)

 

Ostern ist vorbei. Und was nun? 

Grübelnd sitze ich da. Unfassbar, was wir in den vergangenen Wochen alles erlebt haben. Von heute auf morgen sind Schulen und Geschäfte geschlossen worden. Es finden keine Gottesdienste mehr in den Kirchen statt. Und mit meinen Freunden kann ich mich nur noch am Telefon unterhalten. Viele Menschen sind gestorben. Und weltweit geht die Angst um, sich ebenfalls mit dem Virus zu infizieren. Doch dann ist es Ostern geworden und wir haben die frohe Botschaft gehört: Jesus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Verkündet in Briefen und Video-Gottesdiensten. Ein Auf und Ab der Gefühle. Wie soll man das bloß einem erzählen, der es nicht selbst miterlebt hat?

Und nun muss es irgendwie weitergehen. Aber wie? Wie macht man weiter nach solchen Tagen?

Im Radio höre ich, dass andere über die gleiche Frage nachdenken. Politiker und Wissenschaftler. Es wird heftig diskutiert. „Weiterhin Shutdown oder eine Lockerung der Mahnahmen?“, höre ich die Moderatorin fragen.

Immer mehr wird mir bewusst, dass das alles noch eine ganze Weile dauern wird. Die Nacht ist noch lange nicht vorbei. Und manches Netz, das wir auswerfen, wird leer bleiben. Was für eine Katastrophe!

Da fällt mir auf einmal wieder ein, was die Jünger kurz nach Ostern am See Tiberias erlebt haben. Während sie meinten, ganz allein in dieser langen vergeblichen Nacht auf dem See zu sein, war Jesus schon längst da. Schon längst stand er am Ufer und hatte für sie Brot und Fisch auf dem Feuer vorbereitet. „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“, hat er sie liebevoll gefragt. Und dann haben sie sich gesetzt und bei ihm neue Kraft geschöpft.

Ein Gedanke schießt mir durch den Kopf: Warum sollte es bei uns anders sein?

Ich nehme all meinen Mut zusammen und frage nach: „Jesus, bist du da?“ 

Und auf einmal meine ich, ganz in der Nähe ein Feuer knistern zu hören.

 

Herzliche Grüße und bleiben Sie behütet

Ihre Pfarrerin Emilie Weinreich

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