Liebe Leserinnen und Leser!

uns wird in diesem Jahr einiges zugemutet. Nicht nur der Frühling und der Sommer, auch der Herbst wird ein anderer sein als gewohnt: mit allen coronabedingten Einschränkungen und mit jeder Menge offener Fragen und unbequemer Szenarien. In unserer schnelllebigen Zeit sind wir das Warten und das Aushalten nicht mehr gewohnt. Das zehrt an uns. Auch wir Christen sind davon nicht ausgenommen.

Ich gebe gerne zu, ich habe mich mit dieser Andacht sehr schwergetan. Ich hatte das Gefühl, es werden Wunder von mir erwartet, Rezepte zum Durchhalten, Hilfen für positive Gedanken.

Für Wunder bin ich leider nicht zuständig, aber wir dürfen uns in allem, was uns beschäftigt, an Gott wenden.
Er lädt uns jedenfalls auch in diesem Herbst wieder ein zum Danken und zum Trauern. Denn zum einen gehört in diese Jahreszeit das Erntedankfest, zum anderen denken wir im November intensiver an unsere Verstorbenen.

Auf den ersten Blick liegen Danken und Trauern meilenweit voneinander entfernt. Beiden gemeinsam ist aber das Nachdenken, und beides braucht viel Zeit. Das Wachsen und Reifen auf dem Feld und in unserem Garten genauso wie die Trauer. Tiefe Wunden der Seele brauchen Zeit, bis sie sich schließen können. Vielleicht, weil wir begreifen, dass ein neuer Lebensabschnitt mit neuen Lebensmöglichkeiten vor uns liegt.

In diesem Jahr trauern wir in mehrfacher Hinsicht um den Verlust von Leben. Wir vermissen Begegnungen, Unbeschwertheit, Gemeinschaft, die wir ohne Abstand und Vorsichtsmaßnahmen genießen können. Gleichzeitig macht uns der dritte trockene Sommer in Folge klar, dass wir nicht mehr wie bisher leben können.

Die abgestorbenen Bäume um uns herum sind eine Anklage an unseren Lebensstil, mit dem wir den Klimawandel herbeigeführt haben.

Ist Corona also ein Stoppsignal?

Wenn wir uns in diesem Jahr die Mühe machen, ernsthaft nachzudenken, dann steht dem schmerzlichen Verlust aber auch ein Gewinn von Leben gegenüber. Weil das „immer weiter so“ nicht mehr geht, sind Dinge auch anders möglich geworden. Wir sind ein Stück genügsamer und bescheidener geworden. Vielleicht können Sie jetzt schon dafür danken oder Sie sind dabei, wenn wir das Erntedankfest feiern. Auch das Begreifen, dass nichts selbstverständlich ist, kann ein Anfang sein. Wir werden vieles neu schätzen und was wir schätzen, das wollen wir auch bewahren.

Ich bin sicher, es wird dann auch die Zeit kommen, in der wir mit dieser wichtigen Erfahrung im Rücken einander wieder näher kommen können, zusammenkommen zum Singen in Gottesdiensten, zum Genießen von Konzerten, zum Erleben der fröhlichen Stimmung beim Feiern des Lebens mit allen, die wir gern dabei haben. Wohl noch nicht in diesem Herbst, aber wenn es an der Zeit ist. Wenn die Erfahrung dieses Jahres wirklich in uns etwas bewirkt und uns nachhaltig verändert hat. Denn weitermachen wie bisher, das ist nur zu unserem Schaden möglich.

Umkehr ist Leben.
Darum lassen Sie uns geduldig sein.

Ich wünsche Ihnen einen nachdenklichen Herbst.

Ihr Pfarrer Schiffner

 

Die nächsten Termine

Sa Okt 31 @17:00 -
Reformationstag
So Nov 01 @09:30 -
Gottesdienst
So Nov 01 @10:30 -
Gottesdienst
So Nov 01 @11:00 -
Gottesdienst
Sa Nov 07 @11:00 -
47. Frankenberger Orgelmatinee
Sa Nov 07 @18:00 -
Wochenschlussandacht
So Nov 08 @10:30 -
Gottesdienst

Kontakt

Gemeindebüro 
Auf der Burg 2
35066 Frankenberg
Tel 06451/2300662
Mo-Fr von 8-13 Uhr (Di bis 14 Uhr) 
Mo und Mi 13:30-16:30 Uhr