Gottesdienst für Jugendliche 

Liebe Gemeinde!

Eigentlich hätte an diesem Sonntag in der Kirche in Schreufa die Konfirmation stattfinden sollen. 
Ich bin mir sicher: Spätestens um 09.20 Uhr wären alle Plätze belegt gewesen. Sogar die oben auf der Empore. 
Der Raum wäre wieder mit dieser besonderen Stimmung erfüllt gewesen. Einer Mischung aus Freude, Aufregung, Anspannung und auch ein bisschen Wehmut. 
Ich hätte bis um kurz vor 10 mit den Konfirmanden und der einen Konfirmandin im Gemeindehaus gegenüber gewartet – was jedes Jahr die größte Herausforderung ist: Diese aufgeregte Truppe irgendwie zu beruhigen.
Und dann wäre der Moment da gewesen: Die Glocken wären verklungen. Die Orgel hätte eingesetzt. Die Gemeinde hätte sich erhoben. Und die Jugendlichen wären in ihrer festlichen Kleidung, begleitet vom Kirchenvorstand und mir, in die liebevoll geschmückte Kirche eingezogen.
Und auf dem Altar hätten ihre Konfirmandenkerzen gebrannt.

Leider ist es anders gekommen. Die Kirche bleibt am 26. April leer. Und es finden weder ein Gottesdienst noch die lang geplanten Familienfeiern statt.
Wenn ich so darüber nachdenke, macht es mich schon traurig. Und ich vermute, die Jugendlichen selbst und ihre Familien noch viel mehr. Aber auf der anderen Seite ist es auch vernünftig. In dieser Situation kann man so einen großen Gottesdienst nicht feiern. Es wäre viel zu gefährlich. Und wirklich Freude hätten wir vermutlich auch nicht daran.

So ist die Konfirmation 2020 verschoben worden. Und viele weitere Feste auch. Brautpaare haben ihre Trauungen verlegt. Geburtstagsfeiern sollen nachgeholt werden. Aus dem Tanz in den Mai hofft man derzeit, wenigstens noch einen Tanz in den November machen zu können. Und vor ein paar Tagen habe ich im Radio gehört: Sogar das Oktoberfest in München ist abgesagt worden. 

Ein festarmes Jahr. – Seltsam, dass mir da ausgerechnet eine Geschichte von Jesus in den Sinn kommt, in der es um ein großes Fest geht. Die Geschichte steht im 2. Kapitel des Johannesevangeliums und erzählt, dass Jesus mit seinen Jüngern zu einer Hochzeit in Kana eingeladen ist.
Es ist ein fröhliches Fest. Die Gäste feiern ausgelassen. Sie essen und trinken und tanzen – bis irgendwann der Wein leer ist. O je, eine Riesen-Blamage für das Brautpaar. Wenn jetzt nicht schnell eine Lösung gefunden wird, ist das Fest verloren.
Doch das lässt Jesus nicht zu. Er gibt den Dienern den Auftrag, sechs große Krüge mit Wasser zu füllen. Insgesamt passen 600 Liter hinein. Anschließend lässt er den Speisemeister davon probieren. Und der traut seinen Geschmacksnerven beinahe nicht. Warum hat das Brautpaar diesen köstlichen Wein so lange zurückgehalten? Normalerweise schenkt man doch erst den guten Wein aus und später den minderwertigen, wenn es eh niemand mehr so richtig mitbekommt. Doch wie dem auch sei – das Fest ist jedenfalls gerettet. 

Man könnten meinen: Aus all den Wundern, die Jesus getan hat, sticht dieses eine irgendwie heraus. Normalerweise hat er Kranke geheilt, Hungrige satt gemacht oder seine Jünger aus Stürmen gerettet. Also alles sehr wichtige Dinge. Warum verwendet er hier seine Kraft, um Wasser in Wein zu verwandeln und eine Hochzeitsfeier zu retten?

Ich denke, Jesus wollte damit ein Zeichen setzen. Er wollte sagen: Feiern, Lachen, Tanzen und Gesellig sein sind wichtig. Sie gehören zum Leben dazu. Und Gott will, dass ihr, seine Menschen, immer wieder solche Lebensfreude verspüren könnt.

Im Moment sind große Feste nicht möglich. Leider. Weder Hochzeiten, noch Geburtstage, noch Konfirmationen. Aber die kleinen Feste, die auf die Infektionszahlen keinerlei Auswirkungen haben, die können auch weiterhin stattfinden. – Was ich damit meine? 

Ich denke z.B. daran, wie ich gestern bei herrlichem Sonnenschein auf dem Balkon gesessen, eine Tasse Kaffee getrunken und den Vögeln bei ihrem wunderbaren Konzert zugehört habe. 

Oder ich denke daran, wie ich vor ein paar Tagen einen Brief an der Windschutzscheibe meines Autos gefunden habe. Darin befand sich eine schöne Karte, die zwei Kindergottesdienstkinder selbst für mich gebastelt haben.

Für mich sind das auch Feste. Kleine Feste mitten im Alltag.

Oder wie ich vielleicht auch sagen könnte: Vor-Feste.

Weil sie mich an die großen Feste erinnern, die sicherlich in ein paar Monaten wieder stattfinden werden.
Und weil sie mich daran erinnern, wie Gott es mit uns meint. In der Geschichte von der Hochzeit zu Kana haben wir gehört: Gott will, dass wir uns freuen und feiern können. Und irgendwann, so sagt Jesus an einer anderen Stelle in der Bibel, sollen wir mit ihm das große Fest im Himmel feiern. Wie wir uns das genau vorstellen können, wissen wir nicht. Aber jedes fröhliche Fest, das wir hier auf Erden erleben, kann uns bereits eine Ahnung davon vermitteln.
Darum: Auch wenn die großen Feste im Moment ausbleiben müssen, damit Menschen geschützt werden, vor allem die, die besonders gefährdet sind, sollten wir aufpassen, dass uns die kleinen Feste nicht entgehen.
Wie heißt es so schön in dem bekannten Sprichwort: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.
Und ich meine: Die kleinen genauso wie die großen.

 

Bleiben Sie und bleibt Ihr behütet.

Ihre/Eure Pfarrerin Emilie Weinreich

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