Pfarrerin Emilie Berreth mit einem Sonntagsgedanken für den 21.06.2020.

Mein Handy piept. Ich habe eine Nachricht von einer lieben Freundin erhalten. Sie schreibt: 
„Habt Ihr Lust, am Sonntag vorbeizukommen? Ich habe gestern Sirup gekocht. Es gibt selbstgemachte Zitronenlimonade und Muffins mit Käse und Oliven. Das Wetter soll schön werden. Wir könnten draußen im Garten sitzen.“ 
„Sehr gerne“, schreibe ich zurück. 
„Vielen Dank für die Einladung. 
Dann bis Sonntag.“

Es wird ein wunderbarer Abend. Ich liebe selbstgemachte Limonade mit Zitronen und Minze. Das schmeckt so herrlich nach Sommer. Aber noch mehr liebe ich es, mit meinen Freunden zusammenzusitzen. Das hat mir in den letzten Wochen sehr gefehlt. 
Bis tief in die Nacht hinein unterhalten wir uns über die Dinge, die wir erlebt haben. Das, was schwer war und das, was auch gut war. Wie wir umgegangen sind mit all den neuen Herausforderungen. Was uns beschäftigt und umgetrieben hat. 
So lassen wir uns gegenseitig an unserem Leben teilhaben. Bringen uns erstmal wieder auf den neusten Stand. Und träumen gemeinsam von einer Zukunft, die hoffentlich besser sein wird. 
Ohne Abstandsregeln, ohne Mund-Nasen-Bedeckung, ohne die ständig leise mitschleichende Angst, man könnte sich selbst oder andere Menschen anstecken.  

Als ich am nächsten Morgen am Schreibtisch sitze, bin ich ziemlich müde. Aber auch voller Energie. Ich habe das Gefühl, dass die Welt heute anders aussieht. Nicht mehr so grau und düster. Sondern wieder ein bisschen bunter und lebendiger. 

Am heutigen Sonntag, dem zweiten Sonntag nach Trinitatis, werden wir auch eingeladen. Und zwar alle. Nicht per Handy von Freunden, sondern von Jesus. 
Seine Einladung klingt so:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; 
ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; 
denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; 
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 
Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ 

Im Matthäusevangelium sind diese Worte leider nicht in eine Geschichte eingebettet. In welchem Zusammenhang Jesus sie wohl gesagt hat? Ich könnte mir die Situation so vorstellen:
Wieder einmal haben sich viele Menschen um Jesus herum versammelt. So wie eigentlich immer, wenn er und seine Jünger in ein Dorf kommen. 
Doch nicht alle Menschen sind aus purer Neugier da. Jesus sieht, dass viele von ihnen schwere Lasten auf ihren Schultern mit sich herumschleppen. 
Der Mann rechts neben ihm zum Beispiel. Er fragt sich jeden Abend, ob er es Gott wohl recht gemacht hat.Ob er so gelebt hat, dass es Gott gefällt. Und dieser Gedanke lässt ihn dann nicht einschlafen. 
Der Mann links von Jesus spürt, dass er gesundheitlich nicht mehr so fit ist wie früher. Aber er muss doch arbeiten. Geld verdienen. Die Familie ernähren. Wie lange wird das noch gut gehen? 
Die Frau, die Jesus direkt gegenübersteht, denkt an ihre Tochter. Sie ist schwer krank. Das zerreißt ihr das Herz. Wenn sie ihr diese Krankheit doch nur abnehmen könnte. 
Und dann ist da noch ein Mann, der dauernd unter sich blickt. So ist es seit dem schweren Streit mit einem Menschen, den er eigentlich liebt. Darunter leidet er sehr.

Jesus sieht all die Menschen an, die herbeigelaufen sind, um ihn zu sehen und hören.
Aufmerksam blickt er von einem zum anderen. So viele Lasten. 

Als Jesus gerade das Wort ergreifen will, schubst ihn ein Mann an. „Entschuldigung“, ruft er im Vorbeigehen, „das wollte ich nicht.“ „Ist schon gut“, antwortet Jesus und sieht ihm hinterher. 
Der Mann trägt auf seinem Rücken eine lange Jochstange, an der rechts und links zwei große Wassereimer befestigt sind. Die Eimer sind schwer. Das kann man sehen. Aber die Jochstange hilft ihm beim Tragen. Sie verteilt die Last besser auf seinem Rücken. 

Der Anblick des Mannes bringt Jesus auf eine Idee. Laut ruft er den Menschen zu: 
„Kommt her, wir setzen uns unter die Bäume in den Schatten. Kommt her zu mir, all die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Ich will euch eine Pause verschaffen. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Die Menschen folgen seinem Ruf und setzen sich unter die Bäume. Dann fängt Jesus an, zu ihnen zu sprechen. Er kann so wunderbar von Gott erzählen. Ganz anders als die Schriftgelehrten. Wenn die loslegen, versteht keiner mehr ein Wort. Alles viel zu theologisch und hochgestochen. 

Aber Jesus kann man zuhören. Seine Sprache ist einfach und die Bilder, die er verwendet, verständlich. Sie sind mitten aus ihrem Alltag gegriffen. Und seine Worte gehen so tief. Immer wieder zucken einzelne innerlich zusammen. Sie haben das Gefühl: Er meint mich. Er spricht gerade nur zu mir. Weil er gesehen hat, wie es mir geht. Weil er mir bis in mein Herz geblickt hat.

Und so nehmen alle an diesem Tag etwas mit. Der Mann mit den schlaflosen Nächten zum Beispiel nimmt mit, dass Gott barmherzig ist und wie ein liebender Vater zu seinen Kindern. Was für ein wunderbarer Gedanke. 
Dem Mann mit den Zukunftssorgen prägen sich zwei Sätze Jesu ein, über die er zu Hause noch lange nachdenken muss: „Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt.“ 
Die Frau mit der kranken Tochter horcht auf bei den Worten: „Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.“ Das ist wie Balsam auf ihre geschundene Seele. 
Und der Mann, der anfangs nur unter sich blicken konnte, sieht auf einmal nach vorne. Er hat sich fest vorgenommen: Er wird auf den anderen zugehen. Denn Jesus hat in ihm eine unstillbare Sehnsucht nach Frieden geweckt. 

Nein, all die Lasten der Menschen sind nicht weg. Sie sind immer noch da. Auf ihren Schultern. Aber nach der Begegnung mit Jesus sieht die Welt für sie anders aus als zuvor. Sie ist nicht mehr so grau und düster. Sondern wieder ein bisschen bunter und lebendiger. 

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; 
ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; 
denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; 
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 
Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Diese Einladung gilt noch immer. Und heute hören wir sie. Natürlich, im Gegensatz zu den Menschen damals können wir uns nicht zu Jesus in den Schatten unter den Bäumen setzen. Aber wir haben andere Möglichkeiten, ihm zu begegnen. 

Im Gebet. Beim Lesen seiner Worte in der Bibel. In Andachten und Gottesdiensten – analog wie digital. Und dort sollen wir ihn immer wieder aufsuchen. Das steckt für mich in den Worten „lernt von mir“. Denn Lernen braucht seine Zeit. Das Gehörte und Gesehene muss erst vom Kopf in das Herz vordringen. Wiederholungen sind wichtig. Und außerdem lernt man nie aus. Es gibt immer noch etwas, das man dazulernen kann.

In der Begegnung mit Jesus werden auch wir unsere Lasten nicht verlieren. Er nimmt sie uns nicht ab. Aber bei ihm können wir vieles finden, das uns hilft, sie zu tragen. Er hat für uns ein Joch, das wir „brauchen können“, wie es in seiner Einladung wörtlich übersetzt heißt. Und dieses Joch ist noch viel wirksamer und weitreichender als Zitronenlimonade, Oliven-Käse-Muffins oder gute Gespräche mit Freunden. 

Bleiben Sie und bleibt Ihr behütet!

Gott, schenke uns ein Herz für dein Wort und ein Wort für unser Herz. Amen

 

 

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