Liturgische Musik aus Frankreich, die mit ihrer sphärischen, schwebenden Lieblichkeit in der Spätromantik den anbetenden Menschen den Blick in den Himmel öffnen sollte, erlebten am Wochenende in der Liebfrauenkirche kunstvollendet die Besucher des ersten großen Kantoreikonzerts mit dem neuen Bezirkskantor Nils-Ole Krafft. Dabei entwickelte das mehr als 70-stimmige Chorensemble im Dialog mit Kantorin Beate Kötter an der Böttner-Orgel ein kraftvoll ausgebreitetes, bisher so nie gehörtes Klangspektrum zwischen Romantik, Impressionismus und Moderne, dass am Ende die Konzertbesucher tief beeindruckt lange und stehend Beifall spendeten.

Die „Messe Basse“ (verkürzte Messe nur mit Kyrie, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei) des französischen Meister Gabriel Fauré (1845- 1924), von ihm 1881 eigentlich für Frauenchor und Orgel geschrieben, leitete das Programm leise, ruhig fließend ein. Hier baute Nils-Ole Krafft mit sicherem Dirigat erstmals den Spannungsbogen zwischen der Kantorei im großen Chor der gotischen Kirche und der Orgel am entgegengesetzten Ende auf der Empore auf, die Zuhörer waren räumlich „mittendrin“ – was ihr besonders reizvolles Hörerlebnis an diesem Konzertabend ausmachte. 

Dieser Eindruck wurde später noch verstärkt bei den beiden Werken von Louis Vierne (1870-1937). Zunächst durch die Motette „Tantum ergo op. 2“, eine eucharistische Anbetung voll schlichter, ausgewogener Schönheit, die dem Kantoreichor unter Orgelbegleitung mit sensiblem Gespür und großer Ausgeglichenheit gelang.

Geradezu monumentale Kraft entfalteten Chor und Orgel bei seiner in Frankreich um 1900 entstandenen „Messe Solennelle cis-Moll op.16“, eigentlich für Chor und zwei Orgeln geschrieben. Hier kam es zu einer wunderbaren Balance zwischen der Instrumentalbegleitung durch Beate Kötter in wechselvollen Registerfarben und einem mit beachtlichem Volumen antwortenden Chorensemble. Das triumphierende Gloria beeindruckte tief.

Für den großen Soloauftritt der renovierten Böttner-Orgel sorgte in der Mitte des Programms Kantorin Beate Kötter mit „Choral Nr. 1 E- Dur“ von César Franck (1822-1890), einem für französische Kirchenmusik im 19. Jahrhundert besonders typischen Werk. Das von Franck selbst erfundene „Choralthema“, in vielen Variationen, Segmenten und Modulationen verwoben, schälte die Kirchenmusikerin mit den Zungenregistern der Orgel gegen Ende immer deutlicher heraus und ließ mit ihrer kunstvollen Spieltechnik die Zuhörer in den spätromantischen, höchst individuellen Harmonien schwelgen. 

Die Besucher applaudierten am Konzertende mit sichtbarer Begeisterung für diese künstlerische Gemeinschaftsleitung, Gerda Albrecht überreichte Geschenke an Beate Kötter und Nils-Ole Krafft.

Karl-Hermann Völker 

Die nächsten Termine

Konfirmation Gruppe 1
Sonntag, 30. 04, 09:00
Konfirmation Pfarrbezirk III
Sonntag, 30. 04, 10:30
Konfirmation Gruppe 2
Sonntag, 30. 04, 11:00
Einführungsgottesdienst Pfarrer Schott
Sonntag, 30. 04, 14:00

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