Bestattungsgottesdienste auch in der Kirche möglich

Der Kirchenvorstand Frankenberg hat sich in seiner Sitzung am 3. Juli 2017 mit dem Thema „Bestattungsgottesdienste“ beschäftigt. Seit einigen Jahren ist es möglich, einen Trauergottesdienst auch in der Liebfrauenkirche oder in der Hospitalkirche zu feiern. Nun hat der Kirchenvorstand nach ausführlicher Beratung beschlossen, dass ein solcher Trauergottesdienst in der Kirche auch mit Urne oder Sarg gehalten werden kann.

Zur Geschichte der kirchlichen Bestattung möchte ich einige Aspekte benennen: Die Bestattung und Trauergottesdienste zur Bestattung gehören schon seit der Alten Kirche zu den Grundelementen christlichen Lebens. Zu den sechs biblischen Werken der Barmherzigkeit (Hungrige speisen, Dürstenden zu trinken geben, Nackte kleiden, Fremde aufnehmen, Kranke und Gefangene besuchen; vergleiche Matthäus 25) trat in der kirchlichen Tradition bald das siebte hinzu: Verstorbene würdig bestatten. Insbesondere für arme Menschen bedeutete die Unterstützung der Gemeinde oft die einzige Möglichkeit für eine würdige Bestattung.

Im Mittelalter wurden die Friedhöfe um die Kirche herum oder in der Nähe der Kirche angelegt. In Schreufa und an vielen anderen Orten ist dies ja auch heute noch so. Bei jedem Gottesdienstbesuch ging man an den Grä- bern der Angehörigen vorbei. Die Erinnerung an die Verstorbenen war so auf dem Weg zum Gottesdienst lebendig.

Der Frankenberger Friedhof liegt in der Nähe der ehemaligen Totenkirche, die 1970 abgerissen wurde. Er ist umgeben von Wohngebieten, die Liebfrauenkirche ist in Sichtweite. Das Geläut der Kirche zu Bestattungsgottesdiensten ist auf dem Friedhof gut zu hören. Mit seiner Lage auf der Höhe, der gewachsenen Struktur und dem schönen Baumbestand ist er für mich ein eindrücklicher und würdiger Ort für die Toten und die Lebenden, die die Grä- ber ihrer Angehörigen besuchen. Er ist ein wichtiger Ort der Begegnung für Menschen in einer Trauersituation.

Seit 1958 gibt es auf dem Frankenberger Friedhof die Friedhofskapelle. Bis dahin wurde der Leichnam im Haus aufgebahrt und der Leichenzug zog bei der Bestattung von Zuhause bis zum Friedhof. Das waren oft weite Wege. Bei Familien, die zu Hause nicht ausreichend Platz hatten, wurde der Leichnam in der Marienkapelle aufgebahrt und man zog von dort zum Friedhof.
Bis 1899 wurde der Sarg von acht Männern auf einer Bahre getragen, dann beschlossen die städtischen Kollegien die Einführung des Leichenwagens. Vor dem Pferdegespann gingen der Pfarrer und der Küster, der einen schwarzen Stab mit Trauerflor trug. Pfarrer Heinrich Balzer schreibt dazu in der Festschrift zum 700-jährigen Jubiläum der Liebfrauenkirche: „Es war selbstverständlich, dass jedermann auf der Stra-ße stehen blieb, die Männer nahmen den Hut ab und ließen den Zug schweigend vorübergehen. Ein solcher Zug, z. B. vom Ederdorf zum Friedhof, war bei großer Hitze, Kälte oder Regen vor allem für ältere Menschen anstrengend. Als der Autoverkehr immer mehr zunahm, musste die Polizei den Verkehr regeln. Mit dem Bau der Friedhofskapelle im Jahre 1958 verschwand die Beerdigung mit ihrem Leichenzug aus dem Stadtbild.“

Neben dem Verschwinden des Leichenzugs aus dem Stadtbild hat sich in den letzten Jahrzehnten die Bestattungskultur in vielerlei Hinsicht verändert. Urnenbestattungen haben erheblich zugenommen. Damit sind neben die klassische Erdbestattung auch neue Bestattungsformen getreten: Trauergottesdienst vor der Einäscherung, Trauergottesdienst mit Beisetzung der Urne, Friedwaldbestattung u.a. Bei allen Veränderungen bleiben allerdings der Kern und die Kennzeichen einer kirchlichen Bestattung bestehen: Der Leib bzw. die Asche eines Verstorbenen wird würdig bestattet. Angehörige, Freunde und Gemeinde können ihren Schmerz ausdrücken und, getragen von einem bewährten Ritual, angemessen Abschied nehmen. Alle Besucher werden an die eigene Vergänglichkeit erinnert und die frohe Botschaft von der Auferstehung wird öffentlich verkündigt. So ist jeder Bestattungsgottesdienst auch eine Vorbereitung auf den eigenen Tod.
Bestattungsgottesdienste sind aus unserer Sicht auch heute wichtig, um, getragen vom Evangelium, Abschied nehmen zu können. Auch in unserer Zeit, in der der Glaube und der sonntägliche Gottesdienst bei vielen Menschen in den Hintergrund getreten sind, brechen angesichts des Todes eines nahen Menschen Fragen nach Sinn und Ziel des Lebens auf. Trauergottesdienste sind nach meiner Erfahrung und vielen Rückmeldungen intensive und religiös berührende Momente im Leben.
Dem Kirchenvorstand und uns Pfarrerinnen und Pfarrern ist darum eine den Menschen und dem Glauben angemessene Gestaltung der Trauergottesdienste sehr wichtig. In Schreufa und Burgwald ist es Tradition, zum Trauergottesdienst in die Kirche zu gehen, in Burgwald steht der Sarg bzw. die Urne in der Kirche. In den letzten Jahren wurde immer wieder der Wunsch geäußert, auch in Frankenberg in der Kirche Trauergottesdienste feiern zu können. Für viele Menschen ist die Kirche der bergende und tröstende Ort angesichts des Todes. Hier wurden sie getauft, konfirmiert, getraut. Hier haben sie stärkende Gottesdienste erlebt. Ihre Kirche ist ihnen im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen. Somit ist sie auch ein guter Ort für Trauergottesdienste.

Der Kirchenvorstand Frankenberg hat daher beschlossen, dass bei Trauergottesdiensten in der Liebfrauenkirche oder der Hospitalkirche der Sarg oder die Urne aufgestellt werden kann. Die praktischen Fragen, z. B. wie man den Weg von der Kirche zum Friedhof gestaltet, sind dabei jeweils von den Angehörigen zu entscheiden. Die Gebühren für die Nutzung der Kirche entsprechen denen in der Friedhofskapelle.
Zum Schluss noch ein einladender Hinweis: Im Sonntagsgottesdienst nach einer kirchlichen Bestattung werden die Namen der Verstorbenen im Gottesdienst abgekündigt und es wird für die Trauernden gebetet. Im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag (in diesem Jahr am 26. November) werden die Namen aller in diesem Kirchenjahr Verstorbenen verlesen und die Trauerfamilien in die Fürbitte aufgenommen. (RS)

Die nächsten Termine

Gottesdienst
Sonntag, 29. 10, 09:30
Gottesdienst
Sonntag, 29. 10, 09:30
Gottesdienst
Sonntag, 29. 10, 10:30
Gottesdienst
Sonntag, 29. 10, 11:00

Kontakt

Gemeindebüro 
Auf der Burg 2
35066 Frankenberg
Tel 06451/2300662
(Mo-Fr von 8-12 Uhr
Do 8-11:30Uhr)