Klangbilder voller Hoffnung

Frankenberger und Marburger Kantoreien begeisterten mit Brahms-Requiem

Am Vorabend des Volkstrauertages erlebten in der Frankenberger Liebfrauenkirche mehr als 400 Besucher eine opulente Aufführung des „Deutschen Requiems“ von Johannes Brahms (1833-1897) - erschütternd, tröstend und zugleich voll dramatischer Wucht. Die Kantoreien der Frankenberger Liebfrauenkirche und der Marburger Elisabethkirche meisterten das monumentale Musikwerk in sieben Sätzen gemeinsam mit dem Orchester „Solamente Naturali“ aus icht wie spannungsvoll, es gab am Schluss begeisterten, stehenden Beifall für Chöre, Orchester und Solisten.

Die Auswahl des Stückes war noch ein wohl überlegter Beitrag zum Reformations-Jubiläumsjahr: Anstelle einer Vertonung der tradierten katholischen, lateinischen Totenmesse wollte der Protestant Brahms ab 1861 mit neuen Ideen und selbst ausgewählten Texten aus der Luther-Bibel die alte Form aufbrechen. In seinem deshalb „deutschen“ Requiem geht es auch statt der sonst üblichen Trauer und Verzweiflung mehr um Hoffnung, Trost und Zuversicht für die Lebenden.
Die vereinten Kantoreien mit 150 Sängerinnen und Sängern, von ihren Chorleitern Nils-Ole Krafft (Frankenberg) und Nils Kuppe (Marburg) seit Wochen sorgfältig vorbereitet, präsentierten sich als großer und dennoch homogener Klangkörper. Sie arbeiteten zarte Nuancen heraus („Wie lieblich sind deine Wohnungen“), steigerten sich zu gewaltigen, fast erschreckenden Fortissimo-Ausbrüchen („Denn alles Fleisch ist wie Gras“) und kraftvollem Aufbäumen („Hölle, wo ist dein Sieg?“). Wenn angesichts dieser großchorigen Interpretation aus dem Hohen Chor der Kirche heraus die Textverständlichkeit mitunter etwas eingeschränkt war, half das Programmheft mit dem abgedruckten Libretto.
Nils-Ole Krafft führte den Chor mit ruhigem, hoch aufmerksamem Dirigat sicher durch alle Klippen, hob Orchesterlinien besonders hervor, zeigte feines Gespür für Maß und Masse. Er wurde von Konzertmeister Milos Valent und seinen 53 hervorragend aufspielenden Musikern tatkräftig unterstützt. 

Herausragende Solisten, getragen vom großen Chor

Eingestimmt auf das große BrahmsRequiem wurden die Zuhörer durch die kleine Kantate „O Gottes Stadt, o güldnes Licht“ von Dietrich Buxtehude (1637- 1707) mit kleiner Streicherbesetzung. Hier prägte unter den herausragenden Solisten des Abends zum ersten Mal die Sopranistin Annemei Blessing-Leyhausen den lichten Charakter des Werkes mit ihrer wunderschönen, vor allem in den Koloraturen weit ausschwingenden Gesangsstimme. Im 5. Satz des Brahms-Requiems verlieh sie dem hoffnungsvollen „Ich will euch trösten“ gesangliche Eleganz und einfühlsame Wärme zugleich.
Mit ihr korrespondierte in dem Requiem solistisch der Bassbariton Jens Hamann, der mit seinen in allen Lagen hervorragend ansprechenden Stimme die Brahms-Bilder zwischen Kontemplation und oratorienhafter Dramatik („Denn es wird die Posaune erschallen…“) aufleuchten ließ, getragen vom Chor im Hintergrund.
nrührend schöne, ja feierliche Streicherklänge in kleiner Besetzung füllten den hohen Kirchenraum bei der Trauermusik von Paul Hindemith (1895-1963). Hier war es der slowakische Bratschist Peter Vrbinčik, der auf den aufgewühlt-düsteren Grund des Werkes seine gesanglichen, sehr impressiv gezeichneten Linien legte, reflexiv verhalten, freudig im Schlusschoral „Vor deinen Thron tret ich hiermit“. Dafür gab es am Schluss besonderen Beifall.

Karl-Hermann Völker

 

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