„Ich habe es sehr gerne gemacht!“ - Interview mit Marie-Luise Hartmann am 01.11.2018

Marie-Luise Hartmann beendet am 31.12. 2018 ihre Tätigkeit als Leiterin der Diakonie-Sozialstation. Sie hat dort am 1.9.1990 angefangen und als Pflegedienstleiterin seit 1995 die DiakonieSozialstation Station aufgebaut und entscheidend geprägt. Die DiakonieSozialstation betreut zur Zeit 660 Kunden (ca. 330 täglich) durch 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Raum Frankenberg, Burgwald und Rosenthal. Aus diesem Anlass hat Pfarrer Horst Schiffner folgendes Interview mit Frau Hartmann geführt, das hier in gekürzter Form vorliegt.

SCH: Liebe Frau Hartmann, vor über 28 Jahren haben Sie mit Ihrer Tätigkeit im Rahmen der heutigen DiakonieSozialstation begonnen und waren ihr dadurch auf einzigartige Weise als langjährige Leiterin verbunden. Diese Aufgabe endet am 31.12. dieses Jahres. Was für ein Gefühl ist das?
H: Ich gehe mit gemischten Gefühlen, weil ich ja über so viele Jahre sehr stark mit der Arbeit verbunden bin. Aber es fällt mir auch leichter zu gehen, weil ich weiß, dass meine Nachfolge gesichert ist und die Arbeit der Diakonie-Sozialstation auf den gleichen Grundlagen so weitergeführt wird wie bisher.

SCH: Wie war das damals im Jahr 1990?
Als Herbert Schaffer und ich fast zeitgleich angefangen haben, gab es 3 Pflegefachkräfte, die unter Leitung von Frau Gisela Kluge ca. 25-30 Patienten betreut haben. Da kam es schon vor, dass man mal 1 ½ Stunden in der Pflege und Betreuung eines Patienten verbracht hat. Der damalige Dekan Rudolf Jockel war mein Vorgesetzter und Rentamtsleiter Willi Hoffmann hat die Verwaltungsaufgaben übernommen.

SCH: Welchen Personen sind Sie im Laufe der Jahre besonders zu Dank verpflichtet?
Zunächst Gisela Kluge, die mich hervorragend in den mir bis dahin unbekannten Arbeitsbereich der ambulanten Pflege eingeführt hat. Dann Dekan Rudolf Jockel als mein Vorgesetzter, der für mich ein sehr guter Wegbereiter gewesen ist. Und dann Herbert Schaffer, stellv. Stationsleiter und Sandra Cramer, seit 1997 als Verwaltungsfachfrau für die EDV zuständig: Frau Cramer und Herr Schaffer sind meine rechte und linke Hand gewesen. Jede Leitung ist nur so gut, wie die Menschen, die um sie herum sind, die ganz eng mit ihr zusammenarbeiten. Mir ist Loyalität ganz besonders wichtig gewesen und bin sehr dankbar für die Loyalität, die ich selber erfahren habe.

SCH: Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig gewesen?
Ich habe meine Arbeit sehr, sehr gerne gemacht. Ich bin aufgegangen in meiner Arbeit, weil ich auch viel Gestaltungsspielraum hatte. Ich war mit Leib und Seele hier im Aufbau der Diakoniestation tätig. Genauso wichtig war mir die Arbeit vor Ort bei den Patienten und Angehörigen. Bei den dortigen Gesprächen habe ich manchmal die Zeit vergessen. Ich habe nie den Kopf in den Sand gesteckt, sondern immer versucht, schwierige Situationen anzupacken. Es kommt darauf an, dass man die jeweilige Situation so gestaltet, dass man sie selber als wohltuend empfindet. Das ist immer das Wichtigste. Es ging mir darum, die Pflege mit den Patienten, den Angehörigen und den Mitarbeiter*innen zusammen abzustimmen und für alle Beteiligten ein positives, zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen und dies alles im Einklang mit Dekanat und Geschäftsführung (seit 1996 die Stiftung Hospital St. Elisabeth).

SCH: Ich denke, das hat die besondere Qualität Ihrer Arbeit ausgemacht. Sie haben mir darin zugestimmt, als ich Sie als ‚Markenzeichen der DiakonieSozialstation‘ und als ‚Fels in der Brandung‘ bezeichnet habe. Ich denke dabei nicht nur an die vielen strukturellen Veränderungen in der ambulanten Pflege, sondern auch an die vielen unterschiedlichen Mitarbeiter*innen. Wie kommt man in guter Weise miteinander aus?
H: Indem man jeden Einzelnen als Individuum betrachtet und versucht, ihn da abzuholen, wo er steht. Das habe ich immer versucht.

SCH: Gab es einen besonders schönen Moment, an den Sie sich gern erinnern?
H: Die Verabschiedung von Gisela Kluge in 2009, als wir sie am letzten Arbeitstag mit einem Autocorso in 18 Fahrzeugen aller Mitarbeiter*innen durch Frankenberg überrascht haben. Frau Kluge wurde dabei in einem Cabrio mit Herrn Schaffer als Chauffeur von ihrer Arbeitsstelle abgeholt.

SCH: Und einer der schwersten Momente war…
H: …der Tod meines Stellvertreters Herbert Schaffer am 31.01.2014, mit dem ich immer alles besprechen konnte und der mich hervorragend ergänzt hat.

SCH: Gab es Momente, wo Sie ans Aufhören gedacht haben, aber trotzdem weitergemacht haben?
H: Ja, solche Momente gab es. Aber ich habe weitergemacht, weil das kein sauberes, geordnetes Gehen gewesen wäre, an dem mir besonders viel liegt.

SCH: Was hat Ihnen Kraft in diesem anstrengenden Beruf gegeben?
H: Eine enge Bindung an den Einen, der über uns ist, der mitgeht und der mir auch in den Tälern meines Lebens Kraft gegeben hat. Dann auch Urlaube, gemeinsame Unternehmungen mit meinen Kindern und Enkeln, E-Bike-freies Radfahren.

SCH: Wenn Sie heute noch mal anfangen können, würden Sie Dinge anders machen?
Das habe ich mich oft gefragt. Aber ich bin immer wieder zu dem Entschluss gekommen: Das sollte Dein Weg sein! Und es war gut so und das war richtig!

SCH: Alle, die Ihre Arbeit kennen und schätzen, können das ausdrücklich bestätigen. Aber nun naht der Abschied: Wie hat sich die Diakonie-Sozialstation darauf vorbereitet?
H: Durch die Regelung meiner Nachfolge. Und dadurch, dass wir seit 2016 in der Station einzelne Teams gebildet haben, konnte ich Schritt für Schritt nach hinten treten. Es gibt aktuell drei Pflegeteams, ein Team für Hauswirtschaft und Betreuung und ein weiteres reines Betreuungsteam im Sinne einer ‚aktivierenden Gesellschaft‘.

SCH: Darf ich fragen, wer Ihre Nachfolge antritt?
H: Ja, das ist kein Geheimnis. Meine Nachfolgerin wird Frau Galina Adolf aus Altenhaina. Mein letztes Jahr habe ich schon genutzt, meine Nachfolgerin vorzustellen.

SCH: Hätten Sie einen Rat für Ihre Nachfolgerin?
H: Schaffen Sie Vertrauen auf jeder Ebene. Bei den Patienten, bei den Angehörigen. Schaffen Sie vor allen Vertrauen bei den Mitarbeitenden: Vertrauen Ihnen gegenüber und Vertrauen untereinander. Wenn Sie kein Vertrauen haben, können Sie keinen erreichen! Sch: Wofür haben Sie bald endlich mehr Zeit? Ich bleibe auf keinem Fall ruhig auf dem Sofa sitzen. Besuche bei meinen Enkelkindern, mehr sportliche Betätigung. Endlich mal in Ruhe mit Freunden Kaffee zu trinken. Mal nicht aufgrund meiner Arbeit als Letzte zu kommen und als Erste gehen zu müssen…

SCH: Welche Frage wären Sie gerne noch gefragt worden?
H: Die Frage nach dem, was mir besonderen Spaß gemacht hat. Das ist bis vor zwei Jahren die Öffentlichkeitsarbeit gewesen. Dazu gehörte, dass wir Pflegesituationen nachgestellt oder bei Gemeindefesten, Seniorennachmittagen oder Dorfjubiläen zu den Themen „Pflege - einst und heute“ Stücke aufgeführt haben. Wir sind in der Tracht von Diakonissen aufgetreten und wir haben dafür auch schon einmal ein historisches Himmelbett aus dem Heimatmuseum in Treysa herbeigeschafft.

SCH: Ich danke Ihnen ganz herzlich für dieses Gespräch.
Pfarrer Horst Schiffner

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