Der Friedhof - Ort des Gedenkens

Wenn ich auf Reisen bin und das Leben der Menschen kennenlernen möchte, gehe ich immer auch auf den Friedhof. „Man versteht am meisten vom Lebensverständnis der Menschen, wenn man ihren Umgang mit dem Tod und den Verstorbenen betrachtet“, so hat ein weiser Mann einmal zu mir gesagt. Und ich halte es oft auch so. Schon als Kind haben mich die Besuche auf dem Friedhof und die intensiven Gespräche mit meiner Großmutter dort sehr geprägt. Wenn ich jetzt zu Besuch bei meiner Mutter bin, sind mir die Besuche mit ihr auf dem Friedhof mit den Gesprächen und Begegnungen dort wichtig.

Als Pfarrer bin ich hier in Frankenberg zu Bestattungen oft auf den Friedhöfen, manchmal auch einfach zwischendurch, um Ruhe zu finden und der Verstorbenen zu gedenken. Der Frankenberger Friedhof ist mit seinem alten Baumbestand ja sehr schön und eindrücklich und lädt zum Verweilen ein.
Bestattungsgottesdienste gehören für mich zu den wichtigsten Diensten in meinem Amt. Menschen in ihren persönlichen Trauersituationen zu begleiten, über das Leben, Sterben, Tod und Auferstehung zu sprechen, führt zu den zentralen Themen unserer Glaubenstradition.

Die Sonntage jetzt im November bedenken insbesondere das Thema der Endlichkeit, wie es im Psalm 90,12 heißt: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“
Als Christen führt uns das Bedenken der Vergänglichkeit nicht nur in die Trauer, sondern zur Hoffnung und Erwartung von Gottes neuer Welt. „Das ist das letzte und größte Abenteuer, das uns bevorsteht“, so hat es jemand für mich kürzlich berührend und eindrücklich in einem Gespräch formuliert.

Im Rahmen meiner Beschäftigung mit dem Thema Bestattung habe ich vor kurzem ein Gespräch mit Herrn Jochen Seelinger geführt, der in der Stadtverwaltung Frankenberg für Friedhofsfragen zuständig ist. Er sagte, dass er es gut findet, wenn Menschen sich auch rechtzeitig vor einer Trauersituation bei ihm informieren. Denn in der Trauersituation sei es oft schwieriger, Entscheidungen im Blick auf die Bestattung zu treffen.
Die Bestattungsformen sind in den letzten zwei Jahrzehnten vielfältiger geworden und die Bestattungskultur hat sich verändert. Kürzlich ging durch die Presse, dass sich das Verhältnis von Erd- zur Urnenbestattung umgekehrt hat. Waren es vor 25 Jahren noch in etwa zwei Drittel Erdbestattungen und ein Drittel Urnenbestattungen, hat sich das Verhältnis in dieser relativ kurzen Zeit umgekehrt. Die Situation in der Kernstadt Frankenberg stimmt in etwa mit diesem bundesweiten Trend überein, in den Dörfern überwiegen noch die Erdbestattungen.
Ein wesentlicher Grund für den Anstieg der Feuerbestattungen ist, dass Familien heute nicht mehr zusammen oder in der Nähe wohnen und Gräber pflegen können.
Hinweisen möchte ich darum auch auf die Möglichkeit auf dem Frankenberger Friedhof, eine Erdbestattung in einem Rasengrab zu wählen, bei dem dann gar kein Pflegeaufwand für die Angehörigen besteht. Diese Art der Grabstätte wird bisher relativ selten gewählt. Erinnern möchte ich an einen Beschluss, den der Kirchenvorstand Frankenberg vor zwei Jahren gefasst hat: Trauergottesdienste können in der Friedhofskapelle und auch in der Kirche gefeiert werden.
Ich wünsche uns allen, dass die nachdenklichen Sonntage im November und die gewachsene (und sich verändernde) Bestattungs- und Friedhofskultur uns helfen, unser Leben angesichts des Todes in der Haltung von Glaube, Hoffnung und Liebe zu vertiefen und zu verwurzeln. 

Die nächsten Termine

Mi Dez 02 @18:30 -
Adventsandacht
So Dez 06 @10:30 -
2. Advent

Kontakt

Gemeindebüro 
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