Die gotische Liebfrauenkirche auf dem Burgberg grüßt schon von weitem den Besucher, von welcher Seite er sich Frankenberg auch nähert.

Die Grundsteinlegung der Kirche wurde 1286 vom Landgrafen Heinrich, dem Enkel der Hl. Elisabeth, persönlich vorgenommen, und „er legte dabei ein großes Opfer auf diesen Stein“, wie der Frankenberger Chronist Wigand Gerstenberg berichtet. 

Der Plan 
Geplant war eine dreischiffige, kreuzförmige gotische Hallenkirche nach dem Vorbild der Marburger Elisabethkirche, wenn auch etwas bescheidener, z. B. ohne Doppelturmfassade. Trotzdem hatte die neue Kirche für die kleine Stadt mit damals ca.2500 Einwohner beträchtliche Ausmaße: sie ist 60,4 m lang, im Hauptschiff 8,60 m breit und 12,25 m hoch; Gesamtbreite 17,40 m; der Chor ist 16,4 m hoch, der Turm 61,30 m.

  

Fast hundert Jahre wurde gebaut, bis die Kirche mit der Vollendung der Marienkapelle am südlichen Querschiff fertiggestellt war.

Benutzt werden konnte der Neubau teilweise aber schon früher, denn 1337 war das Langhaus fertig, der Chor konnte 1359 eingeweiht werden und sechs Jahre später ragte auch der Turm prächtig über die Häuser der Stadt empor. 

Die Kirche dient bis heute der Stadt als Pfarrkirche. Da sie „Unserer lieben Frauen“ geweiht war, trägt die Kirche heute - in etwas modernerer Form – den Namen „Liebfrauenkirche“. 

In der langen Bauzeit hat sich auch die Weiterentwicklung des gotischen Baustils niedergeschlagen. Beim Baubeginn des Langhauses von Westen her herrschten noch die klaren strengen Linien der Frühgotik. Je weiter der Bau fortschritt, desto reicher wurden die Formen und Verzierungen, vor allem an den Säulenkapitellen. Im Chor zeigen sich deutlich spätgotische Elemente, ebenso in der Marienkapelle, auch wenn nur wenige der von Tyle geschaffenen Statuen für den Chor und die Marienkapelle erhalten geblieben sind.

Geschichte der Liebfrauenkirche

Die erste gotische Kirche, die Elisabethkirche in Marburg, war 1283 vollendet. Man nimmt an, dass die ganze Bauhütte von dort direkt nach Frankenberg umgezogen ist, um hier auf Wunsch des Landgrafen die neue Kirche in Angriff zu nehmen, denn er hatte den Bau mit den Stadtvätern zusammen initiiert.

An der steinernen Bausubstanz des Gotteshauses ist in den 700 Jahren seines Bestehens kaum etwas geändert worden. Nur das Dach, Turmspitze und Gewölbe mussten mehrfach wegen Blitz- oder Feuerschäden repariert oder erneuert werden.

Die sicherlich kostbare und reiche Erstausstattung ist 1476 bei dem verheerenden Brand, der fast die ganze Stadt in Schutt und Asche legte, verlorengegangen. Der Chronist Gerstenberg, der Augenzeuge dieser Katastrophe gewesen ist, berichtet in seiner Chronik anschaulich darüber. 

Wigand Gerstenberg, berichtet (in Übertragung): „Nun begann das Feuer an der Pfarrkirche, zuerst an dem kleinen Turm auf dem Chor. Dieser Turm war ganz und gar mit Blei gedeckt; das schmolz alles weg, so dass Blei aus dem Umgang zu den Wasserzotten heraus, gleich als ob es regnete. Zuletzt gerann das Blei und blieb an den Zotten hängen in Mannslänge wie Eiszapfen. Und nun erhob sich das Feuer an dem Firstbaum und brannte herab bis auf den Chor. Dann kam es weiter an die Kirche und an die Kapelle Unserer lieben Frauen. Das verbrannte alles. Weiter kam es an den großen Turm. Da verbrannte die köstliche gute Glocke, die den Ruhm hatte im ganzen Land zu Hessen und weiter. Dazu verbrannten andere gute Glocken, so dass in der Pfarrkirche verbrannten sieben gute Glocken. Auch geschah großer Schaden an den Glasfenstern, weil das Blei und das Gelöt schmolz und herabrann. Danach wohl um die Mitternacht kamen etliche junge gelehrte Gesellen mit großer Mühe durch das Feuer bis an die Pfarrkirche und wollten nachsehen, wie es darinnen zugegangen sei mit dem Heiligtum und anderen Dingen. Da fielen glühende Kohlen und das Feuer von oben herab durch die Löcher im Gewölbe und fielen auf die Altäre, in die Bänke, auf die Orgel und in die Uhr, die begann zu glimmen. Da nahmen die Gesellen das Weihwasser aus den Becken und löschten damit.“

1478 berichtet Gerstenberg weiter: „...Ehe nun die Kirche wieder unter Dach kam, da stand das Gewölbe bloß, so dass es zwei Jahre darauf regnete und schneite. Und nahm deshalb großen Schaden. Wenn das Feuer ihr hatte weh getan, so tat ihr das Wasser noch mehr. Wenn es in der Nacht oder den Morgen einen großen Regen tat, troff das Wasser durch das Gewölbe an allen Enden, so dassman in der Kirche an keiner Stelle mochte trocken bleiben, auch keine Messe halten. Sondern auf dem Chor war aus Espenholz und Reydeln ein Strohschuppen gemacht und auch über etliche andere Altäre; aber der Wind zerbrach es ständiglich.“

Wiederaufbau nach dem Brand 1476

Obwohl die Frankenberger durch den Brand völlig verarmt waren, bemühten sie sich doch bald um die Wiederherstellung der Kirche, wobei ein Spendenaufruf des Landgrafen Heinrich III. in ganz Hessen eine große Hilfe bedeutete. 

Der Wiederaufbau fiel z. T. schon in die unruhige Reformationszeit. Da Frankenberg sich bereits 1527 der lutherischen Reformation anschloss, verzichtete man auf die Wiederbeschaffung der 12 Altäre. Dagegen stattete man das Gewölbe nach 1478 mit der wunderschönen Deckenmalerei aus, die im Laufe der Jahrhunderte übermalt, aber bei der Restaurierung 1957 wieder freigelegt wurde. Die einzelnen Joche sind mit grünem Rankenwerk und bunten Blumen ausgemalt. Dazwischen sind Zunftzeichen angebracht, die auf tatkräftige Hilfe der Zünfte beim Wiederaufbau hinweisen. In einem Gewölbezwickel ist noch eine kleine Marienfigur mit Kind erkennbar.

Im Gewölbe der Vierung über dem Altar ist eine Rose als Mariensymbol dargestellt, umgeben von einem goldenen Strahlenkranz und einer grünen Dornenkrone. Dahinter erscheinen Hände und Füße des Gekreuzigten.

Die Folgen der Reform Moritz des Gelehrten 1605

Den größten Verlust seiner Kunstschätze verdankt die Liebfrauenkirche – neben den Naturgewalten - der Reform des Landgrafen Moritz des Gelehrten, der aufgrund seines reformierten Bekenntnisses das biblische Bilderverbot rigoros durchsetzte. Er ließ in seinem Land in allen Kirchen die Heiligenstatuen und anderen christlichen Darstellungen zerstören. Welch unersetzlichen Verlust dies für die Liebfrauenkirche und die Marienkapelle bedeutete, kann man an den wenigen geretteten Figuren ablesen, von den heute wieder drei im Chor der Liebfrauenkirche zu sehen sind.

Ein Teil der geretteten, verstümmelten Figuren befinden sich im Kreisheimatmuseum, ebenso die von Philipp Soldan geschnitzten Balkenköpfe der Empore, die Mitte des 19. Jh. ausgebaut wurde.


Innenraum

Nur wenige Kunstwerke sind der Liebfrauenkirche erhalten geblieben. 

Philipp Soldan, ein Frankenberger Bildschnitzer 

Die jetzige Kanzel ist ein Teilstück der Philipp Soldan (ca. 1500 – 1570) zugeschriebenen Kanzel von 1554. Das Steinmetzzeichen deutet auf diesen Künstler hin. Gegenüber, am nördlichen Vierungspfeiler, ist der Nachguss einer sog. Bibelofenplatte zu sehen, zu der Soldan die Vorlage geschnitzt hat. Sie stellt die Weihnachtsgeschichte dar. 

 
Meister Tyle

Sein Werk ist der weite, hohe Chor, den noch sein Sakramentshäuschen schmückt. Nachträglich angebracht wurden die geretteten Statuen Johannes des Täufers und eines Apostels, dessen Spruchband den lateinischen Satz des Glaubensbekenntnisses trägt: „ und an Jesum Christum, dessen einzigen Sohn, unseren Herrn“. Auf der Nordseite, über dem Rest des Chorgestühls, steht der „Christus von Frankenberg“. Tyle stellt Jesus als Gekreuzigten undoch zugleich Lebenden dar. Ein anrührendes Werk.

Auffallend sind Tyles Konsolfiguren an den Säulen unter den Podesten, die für große Statuen gedacht waren. Sie stellen auf der einen Chorseite Fabelwesen in Tiergestalt, auf der anderen Menschengesichter mit Blätterhaaren, Weintrauben oder anderen Früchten dar.

   
An der Nordwand ist ein altes Relief mit der Gethsemane-Szene eingelassen. Auf dem Hauptaltar befindet sich ein Teilstück des Elisabethaltares, den Wigand Gerstenberg 1493/1495 bei Ludwig Juppe in Marburg anfertigen ließ und der Liebfrauenkirche stiftete. Dargestellt ist die Hl. Elisabeth mit dem Modell ihrer Marburger Kirche und zwei Begleitfiguren.
   

Die Fenster 

Die alten Buntglasfenster mit biblischen Motiven hat das wütende Feuer 1476 zerstört. Einen Eindruck von ihrer Schönheit lassen die 12 erhaltenen Scheiben ahnen. Neun zeigen in einem goldenen Kreis Szenen aus dem Leben Jesu: das Verhör Jesu vor Herodes, die Geißelung, die Dornenkrönung, die Kreuzigung, die Auferstehung, Jesus als Gärtner, die Erscheinung Jesu vor den Jüngern, die Himmelfahrt und Jesus als Weltenrichter. Zwei andere stellen Syibyllen als Symbol der Weisheit dar, die letzte nur ein geometrisches Muster.

   

Annenkapelle

Vom Chor führt eine Tür, deren Tympanon mit drei Eichenästen, dem Symbol der Unvergänglichkeit und der Unsterblichkeit, geschmückt ist, in den Raum. Ursprünglich wohl als Sakristei, später als Abstellkammer benutzt, war er mit einem der Hl. Anna, der Mutter Marias, geweihten Altar ausgestattet. In den letzten Jahren wurde die Kapelle als Andachtsraum mit Heizung, neuem Gestühl und einer kleinen Böttner-Orgel ausgestattet. 

Bemerkenswert ist ein Schlussstein mit einem Löwen über drei Jungen.

   
Im Triumphbogen hängt über dem Vierungsaltar ein gotisches Kreuz aus dem 15. Jh., der Gekreuzigte am grünen Kreuzesstamm. Ein ähnliches kleineres Kreuz gehört zum Altar im Chor.
 

Grabstein Caspar Toldes 

Im südlichen Querschiff steht der Grabstein des Caspar Tolde, der von 1551 bis 1582 Pfarrer in Frankenberg, und seit 1558 auch Metropolitan war, einer der führenden Köpfe der Theologie seiner Zeit in Hessen.

 

Orgel

Ein Werk besonderer Art ist die große Orgel, die der Frankenberger Orgelbaumeister Wolfgang Böttner 1970/71 gebaut hat. Sie hat 2950 Pfeifen, 43 Register und 3 Manuale. 

Die erste Orgel der Liebfrauenkirche wurde bereits bei der Fertigstellung des Baus 1381 eingerichtet, sie wurde beim Brand 1476 zerstört. Um 1550 wurde die zweite aufgestellt, die, als sie unbespielbar geworden war, 1811 durch die Seuffert-Orgel aus dem aufgelösten Kloster Grafschaft ersetzt wurde. In der heutigen Orgel befinden sich noch einige wenige Pfeifen der alten Orgel. 

   

Moderne Kunst 

Die Neuzeit ist vertreten durch den Taufstein, der 1968 gestaltet und gestiftet wurde. Er ist aus rotem Sandstein und mit der Darstellung Jesu im Kreis der Jünger verziert 

Ferner gehören dazu die sechs Eisenzeichnungen von Ansgar Nierhoff, die er 1993 geschaffen hat.

 

Kirchenführung 

Fallls Sie Interesse an einer Kirchenführung haben, setzten Sie sich gerne mit Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (06451-22781) in Verbindung.

Die nächsten Termine

Ewigkeitssonntag
Sonntag, 26. 11, 09:30
Ewigkeitssonntag
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Ewigkeitssonntag
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Ewigkeitssonntag
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Kontakt

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