Liebe Leserinnen und Leser,

mein Patenonkel ist vor zweieinhalb Jahren im hohen Alter von 91 Jahren „alt und lebenssatt“ gestorben. Er wohnte mit seiner Familie lange in Leverkusen und zog für seine letzten Jahre in ein seniorengerechtes Wohnheim in Münster. Aufgrund der Entfernung sind wir uns meist nur ein- bis zweimal im Jahr begegnet.

Bei meinem letzten Besuch im November 2016 haben wir uns auch über die Jahre unterhalten, in denen er als junger Mann im Krieg war. Sein Vater (mein Opa) ist 1944 in Frankreich gefallen, er selbst kam 1943 in russische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst 1946 ausgezehrt wieder nach Hause zurück. Ausgelöst durch dieses Gespräch kam mir eine Frage wieder in den Sinn, die mich auch schon früher bewegt hatte, wenn ich Menschen mit ähnlichem Schicksal begegnet war: Hatte mein Onkel all diese Wochen, Monate und Jahre in Krieg und Gefangenschaft aufgrund seiner robusten körperlichen Verfassung überlebt? Oder kann ein Mensch die Strapazen, Entbehrungen, die Kälte und den Hunger dieser Zeit nur verkraften, wenn in ihm eine starke Sehnsucht lebt nach zu Hause und den Menschen, die zu ihm gehören? Ist also der große Wunsch, einmal, wenn alles vorbei ist, das Leben wieder aufnehmen zu können und mit viel Schönem zu füllen, die Basis für ein Überleben in solchen Zeiten? Weil Menschen aufgrund dieser inneren Kraft motivierter sind, sich in solchen „Dürrezeiten“ vorsichtig, umsichtig und klug zu verhalten? - Wenn ich in solche Gedanken eintauche, stellt sich mir auch immer die Frage: Wie wäre es wohl mir ergangen, wenn ich Ähnliches erlebte hätte? Hätte ich die Ressourcen gehabt, solche Zeiten zu überstehen? Ich kann diese Frage natürlich nicht beantworten, aber eines ist mir dabei deutlich geworden: Ohne eine starke Sehnsucht als Antriebskraft würden unsere Flügel in solchen Zeiten bald erlahmen. Ohne die Sehnsucht nach Schönem, nach Menschen, die wir wieder in den Arm schließen möchten, können wir solche Entbehrungen kaum überstehen. Daher spricht mich die Überschrift an: „Binde deinen Karren an einen Stern!“ Hinter diesem Satz, der vor gut 500 Jahren von Leonardo da Vinci ausgesprochen wurde, steht die Erfahrung, dass unser „Lebenskarren“ nicht immer locker und leicht über seine Wege rollt. Zuweilen ist er sehr schwer, gefüllt mit vielen Aufgaben und anderen Lasten.
Manches davon haben wir uns selbst aufgeladen, andere Anteile kommen durch den Beruf dazu. Lasten können Krankheiten sein und der Verlust lieber Menschen an unserer Seite – auch sie führen dazu, dass sich unser Karren nur mit viel Mühe bewegt. Und wenn er überladen ist, wenn wir überfordert sind, flügellahm und verspannt, dann bleibt er sogar stecken.
Das Leitwort „Binde deinen Karren an einen Stern“ fordert uns auf: Schaue weniger auf Schwieriges und mehr auf das Gute, das trotz allem zu deinem Leben gehört. Schaue vor allem auf das, was dein Leben wieder ausfüllen wird, wenn die Dürrezeiten hinter dir liegen werden. Höre auf, dein Elend zu meditieren und immer nur auf die Scherben zu schauen. Entwickle vielmehr Pläne für das, was du tun wirst, wenn deine Lebenslust wieder Spielräume zur Entfaltung findet.
„Binde deinen Karren an einen Stern“ – diese Worte rufen uns aber auch auf, den Blick nach oben zu heben: Schau das Licht des Himmels an. Lass Dir sagen: Du bist nicht nur ein Bürger dieser Erde, sondern auch ein Kind des Himmels, von Gott geliebt, geadelt und gebraucht. Halte an der Zuversicht fest, dass dein Leben unter diesem guten Stern steht. Stärke dein Vertrauen, dass wir auch in trüber Stimmung und Schwäche bei IHM gut aufgehoben sind. Wer seinen „Karren“ an diesen Stern bindet, der findet eher die Kraft, dunkle Wolken wegzuschieben und den eigenen Wagen auch über schwierige Wegstrecken zu ziehen.
Und so wünsche ich Ihnen für die vor uns liegende Advents- und Weihnachtszeit den Blick nach oben auf diesen besonderen Stern, der unsere Wege begleitet und uns dabei hilft, unseren Karren zu ziehen. Vielleicht führt er ja auch uns - so wie die Weisen aus dem Morgenland - zu dem Kind in der Krippe, in dem Gott Mensch wird und uns ganz nahe kommt.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Pfarrer Christoph Holland-Letz

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