Andacht

Zwischen Fastnacht, Frühling und Ostern

Liebe Gemeinde,

ich habe in Mainz studiert – und dort merkt man in diesen Wochen besonders deutlich: Die Meenzer Fassenacht ist nicht nur Verkleidung und Klamauk.

Ja, es wird gelacht, gesungen und geschunkelt. Aber es geht auch um etwas, das viele im Alltag vermissen: Gemeinschaft. Ich habe es erlebt, dass man plötzlich mit wildfremden Menschen schunkelt, über denselben Witz lacht und für einen Moment spürt: Wir gehören zusammen.

Und die Fastnacht hat ja auch einen Sinn. Nicht nur „Spaß um jeden Preis“, sondern einen Rhythmus: Noch einmal wird gefeiert, bevor die Passionszeit beginnt. Noch einmal wird es laut, bevor es stiller wird. Noch einmal wird die Leichtigkeit gefeiert, bevor wir uns auf den Weg machen Richtung Karfreitag und Ostern.

Das finde ich eigentlich ziemlich klug. Denn es nimmt ernst, dass das Leben beides kennt: das Lachen und das Nachdenken, die Gemeinschaft und die Einsamkeit, die hellen Tage und die dunklen.

Jetzt im März verändert sich die Stimmung ohnehin. Der Frühling kommt nicht mit einem großen Auftritt, sondern eher leise und vorsichtig. Ein paar Schneeglöckchen, mehr Licht am Morgen, ein Vogel, der wieder mutiger singt. Es ist, als würde das Leben vorsichtig anklopfen und sagen: Es geht weiter.

Und genau so ist auch der Weg zu Ostern hin. Ostern beginnt nicht mit Jubel. Ostern beginnt im Dunkeln. Bei Menschen, die nicht mehr weiterwissen, die traurig sind, die erschöpft sind, die glauben, alles sei vorbei. Und dann kommt diese eine Botschaft, die alles verändert: Gott lässt das Leben nicht los. Er lässt uns nicht los. Und selbst dort, wo wir nur noch Dunkelheit zu sehen meinen, da fängt Gott neu an.

Vielleicht ist das der rote Faden durch diese Wochen: Wir dürfen lachen. Wir dürfen feiern. Wir dürfen uns freuen und wir dürfen zugleich ehrlich sein. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott gerade im Übergang wirkt: zwischen Winter und Frühling, zwischen Karfreitag und Ostern, zwischen dem, was war, und dem, was noch kommt.

„Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“ (Johannes 1,5)

Mit herzlichen Grüßen und dem Wunsch, dass die Passionszeit Ihnen Raum gibt – und Ostern Sie mit neuer Hoffnung überrascht!

Ihre Pfarrerin Sarah Bornscheuer

Pfarrerin Sarah Bornscheuer